Bibelgrundkurs auf Salomo.net

1.3 Die Auslegung der Schrift

Auslegung nennt man das Herausfinden des Schriftsinns. Um die Lehre der Bibel zu verstehen, muss Verschiedenes beachtet werden.

Die Auslegung muss in ihrem geschichtlichen Zusammenhang gesehen werden

Eine Art, den Sinn einer Bibelstelle zu erfassen, ist das Verständnis ihrer ursprünglichen Bedeutung für den damaligen Leser. Je mehr wir über Politik und Bräuche zur Zeit der Bibel wissen, desto klarer tritt der Sinn zutage.

Das Neue Testament z. B. verlangt, dass Sklaven ihren Herren gehorchen sollen. Wir müssen das auf dem Hintergrund der Tatsache verstehen, dass die Sklaverei in der damaligen Zeit allgemein akzeptiert war (obwohl sie als Teil der in Christus vergehenden Ordnung angesehen wurde).

In ähnlicher Weise kann die Kenntnis der Sitten und Gebräuche damals dem heutigen Leser verstehen helfen, was es heißt, wenn Jesus seinen Jüngern befiehlt, einander die Füße zu waschen - was ansonsten heute vielleicht irrelevant erschiene.

Die Auslegung muss im Textzusammenhang gesehen werden

Wir können den Sinn eines Bibelwortes besser verstehen, wenn wir den Satz untersuchen, in dem es steht. Ebenso können wir einen Satz nur richtig erfassen, wenn wir uns den ganzen Abschnitt ansehen.

Viele Führer fragwürdiger Gruppen und Sekten verdrehen die Wahrheit der Bibel, indem sie Sätze aus ihrem Zusammenhang reißen. Sie benutzen die Bibel, um ihren eigenen Glauben zu stützen. Christen müssen sich immer bemühen, herauszufinden, was die Bibel wirklich sagt- auch wenn es schmerzt.

Die Auslegung muss mit der übrigen Schrift übereinstimmen

Einzelne Passagen der Schrift sollten im Licht der ganzen Bibel interpretiert werden. Tut man das, so wird man keinen Teil der Schrift mit einem anderen in Widerspruch finden. Wenn wir in der Bibel scheinbare Widersprüche entdecken, so kommt das vielleicht daher, dass wir den ganzen Zusammenhang der biblischen Lehre noch nicht erfasst haben.

Die an jeden Bibelleser gestellte große Herausforderung besteht darin, eine biblische Denkweise zu entwickeln.

Die Auslegung muss mit Gottes Offenbarungsplan übereinstimmen

Die Bibel sagt uns alles, was wir über Gottes Plan für seine Schöpfung und den Menschen wissen müssen. Es gibt viele Fragen, auf die wir vielleicht gerne eine Antwort hätten, zu denen die Bibel jedoch nichts oder doch nur wenig sagt. Und doch sagt uns Gottes Wort alles, was uns über ihn und seinen Plan zu wissen nottut.

Die Bibel ist in erster Linie ein Buch über das Heilswerk Gottes. Wir sollten uns deshalb davor hüten, kluge Interpretationen anzustellen, die nicht diesem ihrem Hauptanliegen entsprechen.

Die Schrift muss auf unterschiedlichem kulturellem Hintergrund verstanden werden

Die Botschaft der Bibel ist lebendig, sie kann das Leben und den Charakter von Menschen verändern. Obwohl sie aus einer alten, uns heute fremden Kultur stammt, hat sie für unser heutiges Leben unverminderte Bedeutung.

Wenn wir die Bibel auslegen, müssen wir darauf gefasst sein, mit den Worten und Begriffen der biblischen Schreiber zu ringen und sie so zu übersetzen, dass sie auch der heutige Leser verstehen kann.

Hinweis

Die Bibel ist weder ein wissenschaftliches Nachschlagewerk noch ein reines Geschichtsbuch. Doch steht sie auch nicht im Widerspruch zu wissenschaftlichen Ergebnissen oder historischen Tatsachen. Ihr Anliegen ist ein anderes: Sie will Gottes Plan für die Menschen aufzeigen: Christus.

Bibelstudium

Denkanstöße

  1. Lies Johannes 13, 1-15. Jemandem zur Zeit Jesu die Füße zu waschen bedeutete, demütig und freundlich zu handeln. Wie können wir dem Gebot Jesu aus Vers 14 heute gehorchen?
  2. Die Bibel gebraucht oft Worte, die nicht zu unserer täglichen Umgangssprache gehören. Was bedeuten Begriffe wie „Heil" oder „Buße"? Gib ihren Inhalt in eigenen Worten wieder.
  3. Wie sollen wir reagieren, wenn sich Christen über die richtige Auslegung eines Bibelabschnittes entzweien?
  4. Welchen Vorteil hat es, wenn man Bibelverse auswendig kann? Wo liegen die Grenzen dieses Verfahrens?

 

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